Mit Resilienz und Agilität durch die Krise
Achtsame Selbstregulation als Basis der Krisenbewältigung
Mit Resilienz und Agilität durch die Krise
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Resilienz und Agilität sind entscheidend, um mit Krisen umzugehen. Welche Rolle die Fähigkeit zur achtsamen Selbstregulation dabei spielt und wie diese Fähigkeit auch in Online- und Hybrid-Formaten trainiert werden kann, schildert dieser Blog-Beitrag von Niko Kohls.

Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass unsere Nachfahren einmal sagen werden, dass wir um das Jahr 2020 herum epochalen Zeiten erlebt haben, die durch gewaltige Herausforderungen und große Veränderungen geprägt waren. Wahrscheinlich wird man dann auch auf die Frage, was Menschen und Organisationen durch diese bewegten Zeiten gebracht hat, eine eindeutige Antwort finden: denn die Fähigkeit zu achtsamen Selbstregulation sowohl auf individueller wie auch organisatorischer und kollektiver Ebene ist die Voraussetzung um sowohl Resilienz als auch Agilität hervorzubringen. Bei genauerer Betrachtung erscheinen diese beiden Begriffe Resilienz und Agilität als zwei Seiten ein und derselben Medaille.

Unter Resilienz (lat. resiliere: abprallen, nicht haften an) wird aus psychologischer Sicht die Stärke eines Menschen verstanden, widrige Lebensbedingungen ohne anhaltende psychische, körperliche oder soziale Beeinträchtigungen durch selbstregulative Prozesse zu meistern. Aus systemtheoretischer Sicht beschreibt Resilienz die Toleranz eines Systems gegenüber Störungen, insofern gibt es nicht nur individuelle, sondern auch kollektive und organisatorische und sogar gesellschaftliche Resilienz.

Was sind nun die Merkmale resilienter Menschen? Das ist genau der Grund, warum wir in Krisenzeiten spezielle Programme für Resilienz anbieten. Es gibt aber ein paar Eigenschaften, über die resiliente Menschen verfügen, und die zentralen Komponenten sind hier genannt: Resiliente Menschen...

1)    ...wissen, dass das Leben fragil, schwierig und riskant ist und verdrängen diese schmerzhafte Einsicht nicht,

2)    … können unter Stress ihre Aufmerksamkeit auf die Aspekte fokussieren, die sie verändern können (Präsenz) UND
       … lernen,  die Faktoren zu akzeptieren die sie nicht verändern können (Akzeptanz), mit anderen Worten: Sie sind achtsam!

3)    … haben ein hohes Kohärenzgefühl; dies bedeutet, dass ihre Lebensrealität oder Teile davon als verstehbar, handhabbar und bedeutsam erlebt werden;

4)    … praktizieren Selbst- und Fremdfürsorge und Mitgefühl, unterhalten Beziehungen und unternehmen Tätigkeiten, die ihnen guttun und die sie stabilisieren

Mit anderen Worten, wer resilient ist, kann besser mit Stress und Belastung umgehen, weil sie oder er sich besser auf den persönlichen Lebenskontext anpassen kann und vor allem besser mit unvorhergesehenen Situationen und Belastungen umgehen kann. Dies bedeutet gleichzeitig auch, offener für neue Erfahrungen zu sein, und im Wissen um die eigenen Möglichkeiten und Grenzen das Beste aus der Situation zu machen, in der man eben gerade ist. Der Begründer der Achtsamkeitsbewegung, Jon Kabat-Zinn sagt deswegen auch „Whereever you go, there you are!“. Das klingt zuerst mal banal, ist in Wahrheit aber ziemlich radikal. Denn wenn ich meine Situation so akzeptiere wie sie gegeben ist, ohne Wenn und Aber, kann ich anfangen mich mit ihr auseinandersetzen und Möglichkeiten entwickeln, mit dieser so konstruktiv und wohlwollend wie möglich umzugehen - mit anderen Worten hier ist auch der Schlüssel für das zu finden, was man seit einiger Zeit mit dem Begriff Agilität beschreibt.

Um einem weitverbreiteten Missverständnis vorzubeugen, weder Resilienz noch Agilität sind naturgegebene Ausstattungen oder schicksalhafte, gleichsam charismatische Gaben, sondern die  die Forschung ist sich darüber einig, dass diese trainiert werden können, indem man ihre Voraussetzungen trainiert. Denn achtsame Selbstregulationsfähigkeit ist zu einem nicht unerheblichen Teil erlernbar und das bereits in einem vergleichbar kurzen Zeitfenster.

Üblicherweise dauern achtsamkeitsbasierte Interventionen zwischen acht und zwölf Wochen, jedoch haben wir in den letzten Monaten auch mit onlinebasierten Programmen mit einer Laufzeit von ca. vier Wochen erstaunlich gute Resultate erzielen können. Dabei findet einmal die Woche ein Webinar von ca. 90 Minuten Dauer statt, in dem die Teilnehmenden nicht nur praktische Achtsamkeitsübungen erlernen und mit schlüssigen aber wissenschaftlich fundierten Modellen und Konzepten Einblicke in die Entstehung von individuellen Stress- und Belastungsfaktoren bekommen, sondern auch die Möglichkeit erhalten, sich über ihre gegenwärtige Situation auszutauschen. Darüber hinaus werden den TeilnehmerInnen in regelmäßigen Abständen kurze und interessante Achtsamkeitshausaufgaben in Form von „Learn-Info-Nuggets“zugeschickt, mit denen sie sich auseinandersetzen sollen.

Interessant war für mich vor allem in diesem Zusammenhang die Beobachtung, dass durch das Gruppensetting auch der soziale Zusammenhalt in einer Organisation deutlich gestärkt werden konnte, was in Home-Office Zeiten sicherlich ein wichtiges Kriterium ist. Darüber hinaus konnten wir eine signifikante Reduzierung der subjektiven Beanspruchung / Stresswahrnehmung verzeichnen und haben eine Weiterempfehlungsrate von über 80 % erhalten. Nach Beendigung des Kurses haben etliche Teilnehmende beschlossen, das Format in Eigenregie weiterzuführen. In meinen Augen ist das ein klarer Beleg für Empowerment - und zwar sowohl individuell als auch im Team!  Dies zeigt in meinen Augen eindrucksvoll auf, dass man auch in Krisenzeiten über onlinegestützte Formate sowohl an der Resilienz und Agilität der Mitarbeitenden, aber auch der gesamten Organisation arbeiten kann. Durch solche Erfahrungen wird in meinen Augen eindrucksvoll aufgezeigt, welches Potential in mehrwöchigen achtsamkeitsbasierten Programmen liegt, die auch in Krisenzeiten niederschwellig im Online-Format angeboten werden können.

Vielleicht werden unsere Nachfahren dann einmal sagen, dass hier der Übergang von analoger zu digitaler Achtsamkeit vollzogen wurde, und die daraus resultierende Einsicht, dass dies ein wichtiges und zentrales Bottom-Up gesteuertes Empowerment-Instrument zur Verbesserung von Agilität und Resilienz für Organisationen darstellt, das aus der Krise geboren wurde.

 

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Niko Kohls
Verfasst von
Niko Kohls
niko.kohls@bridge-brain.com

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